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Erläuterung des gewählten Tragsystems

Aus Voruntersuchungen möglicher Turmtragwerke ergab sich, dass die Anforderung zur Begrenzung des Drehwinkels an der Turmspitze durch ein einschäftiges Bauwerk praktisch nicht zu realisieren ist (linke Abbildung). Aus diesem Grund wurde ein mehrschäftiges Turmbauwerk gewählt (rechte Abbildung).
Vergleich 1-/mehrschaeftiges Bauwerk
Es besteht aus vier einzelnen Türmen gleicher Steifigkeit, die im Fundament eingespannt sind und an den Kopfmitten zusammengekoppelt werden. Da alle vier Beine bei Windbelastung praktisch die gleichen Biegelinien zeigen, liegen die zusammengekoppelten vier Turmspitzen stets auf gleicher Höhe, wenn die elastische Einspannung des Gesamtbauwerks im Baugrund vernachlässigt wird.
Um den letztgenannten Einfluß zu begrenzen, wird die Grundfläche des gemeinsamen Fundaments entsprechend groß gewählt.

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Begründung der Verkleidung der Turmbeine

Von den atmosphärischen Einwirkungen auf das Bauwerk war außer dem Wind besonders den Temperatureinflüssen besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Während gleichmäßige Temperaturänderungen keine nachteiligen Auswirkungen zeigen, würde die einseitige Sonnenbestrahlung eine Turmbeines zu dessen Verkrümmung führen. Die von der Sonne beschienenen Turmbeine würden sich zudem anders dehnen, als jene die sich im Schatten befinden und eine unzulässig große Verkantung der Radarplattform bewirken.
Zur Lösung dieser Temperaturproblematik erhielten alle vier Turmbeine eine hinterlüftete Verkleidung aus weißem Aluminium-Trapezblech.
Durch die hellen Oberflächen werden die Sonnenstrahlen weitgehend reflektiert. Die Hinterlüftung sorgt zusätzlich für einen weitgehenden Temperaturausgleich.

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Gestaltungskonzept

Skizze zum Gestaltungskonzept des Radarturms Tempelhof

Das Turmbauwerk setzt sich aus klaren geometrischen Körpern zusammen:

  • der Radom-Kugel,
  • den vier schlanken kreißzylindrischen Stützen der Turmbeinen,
  • dem dazwischenliegenden Turmkopf in Form eines gedrungenen, von ebenen Flächen begrenzten 24-eckigem Prismas. Der kristalline Charakter dieses Bauteils wurde durch eine Betonung der senkrechten Kanten, durch einen kantigen unteren Rand und durch eine deutliche geometrische Aufteilung der Untersicht herausgearbeitet.
  • Die Träger und Geländer am Turmkopf und der Ringbühne in halber Höhe ergänzen die Großformen durch grafisch wirkende Bauteile. Damit diese maßstabgebenden Elemente ablesbar sind, wurden sie mit kräftigen Profilen ausgeführt und dunkel gestrichen.
  • Die Turmbeine erhielten oberhalb des Geländes zylindrische Stahlbetonsockel, die ähnlich Füßen den optischen unteren Abschluß des Bauwerks bilden.
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Radarturm Flughafen Berlin-Tempelhof

Vor dem östlichen Kopfbau des Flughafengebäudes Tempelhof wurde im Jahr 1982 der Radarturm errichtet. Seine markante Gestalt bildet eine weithin sichtbare Landmarke die auf vielen Fotos des Flughafens zu sehen ist. Die einmalige Form entstand jedoch nicht aus dem Wunsch nach einer unverwechselbaren Gestalt, sondern ist die konstruktive und architektonische Antwort auf die besonderen technische Anforderungen:

Auf der Plattform am Turmkopf wurde ein spezielles, weitreichendes Radargerät montiert, das äußerst empfindlich gegen Kippbewegungen der Plattformebene und Drehungen um die senkrechte Turmachse war. Drehbewegungen von wenigen hundertstel Grad hätten schon eine Unschärfe des Radarechos bewirkt. Bei jedem konventionellen Turm erzeugt der Wind außer horizontalen Bewegungen aber gerade diese Bewegungsbilder. Es ist zunächst versucht worden, die geforderten Bewegungs-Grenzwerte mit einer besonders massiven, biegesteifen Turm-Konstruktion einzuhalten. Die Berechnungen zeigten jedoch, dass die Anforderungen auch mit sehr großen Grundrissabmessungen und sehr dicken Wänden nicht erfüllt werden konnten. Es musste daher ein anderer Lösungsansatz gefunden werden.

Er bestand darin, die durch den Wind verursachten Bewegungen zuzulassen, sie jedoch in für den Betrieb unschädliche Bewegungsarten umzuwandeln. Statt eines dicken Turms sind vier schlanke, relativ biegeelastische runde Türme ausgeführt worden, die auf einer gemeinsamen, dicken Fundamentplatte stehen. Die Plattform für das Radargerät ist auf den Mitten der vier Einzeltürme gelagert. Die durch den Wind erzeugten Verformungen der vier schlanken Türme sind zwar um ein vielfaches größer, als die eines einzelnen dicken Turms, weil die vier Lagerpunkte aber immer auf exakt gleicher Höhe liegen, verkantet sich die waagerecht Plattformebene praktisch nicht, sondern wird nur waagerecht hin und her bewegt. Obwohl diese waagerechten Bewegungen viel Größer als bei einem dicken einteiligen Turm sind, betragen jedoch nur einen Bruchteil der zulässigen Bewegungen.

Es wurde eine sparsame, filigran wirkende Konstruktion verwirklicht, die der monumentalen Großform des Flughafengebäudes aus den 40er Jahren eine leichte moderne Konstruktion entgegensetzt. Der Gegensatz von lang, schwer und dunkel gegen leicht, hell und hoch macht den Reiz des entstandenen Ensembles aus.

Bauherr und Planung:
Bauamt Süd der Sondervermögens- und Bauverwaltung Berlin
Entwurf und Tragwerksplanung:
Adolf Behrens
Standort: Berlin-Tempelhof
Jahr: 1982

 

Bezeichnung der Teile des Radarturms

Technische Daten

Gesamthöhe: 71,51m
Höhe der Wartungsplattform: 59,01m
Stützendurchmesser: 3,00m
Stützengewicht:
4x70=280t
Turmkopfgewicht: 120t
Gesamtes Stahlgewicht: 400t

 

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aktualisiert am 18. November 2008